Fragt man in Leipzig nach einem Ort für elektronische Musik, dürfte die Distillery an erster Stelle genannt werden. Auch für Matthias Tanzmann hat sie eine besondere Bedeutung: Seit 1997 ist er Resident-DJ im renommiertesten Club der ostdeutschen Halbmillionenstadt, und von Anfang an ging es ihm um mehr als funktionale Clubmusik – sowohl an den Plattentellern als auch im Studio. Deepe Vibes zwischen House und Techno sowie subtile Arrangements, ohne das Druckvolle für den Dancefloor aus dem Blick zu verlieren, dafür steht der Sound von Matthias Tanzmann. Zusammen mit Daniel Scholz gründete er Ende der Neunziger das Projekt Gamat 3000, das mit Releases auf Dessous Recordings, Freude am Tanzen und FM-Musik zu den damaligen Most-Wanteds der hiesigen House-Szene wurde. Mit dem Track „Feeling Love“ gelang dem charmanten Deep-House-Duo sogar einer der Club-Hits des Sommers 1999 schlechthin. In der Millenium-Silverster-Nacht beschloss Matthias Tanzmann mit dem damaligen Distillery-Mitbetreiber André Quaas ein eigenes Label zu gründen, das den Leipziger House-Protagonisten und befreundeten internationalen Producern eine neue hochwertige Plattform bieten sollte. Mit der Gamat 3000-EP „Radio Moon“ startete Moon Harbour Recordings ins neue Jahrhundert und bekam sofort positives Feedback von der Presse und den Clubs. Tanzmann übernahm das A&R, Quaas regelt die gesamte Administration des Labels. Noch im Jahr 2000 debütierte Matthias Tanzmann mit der EP „Rose Garden“ als Solo-Artist. Parallel zur Labelgründung und des Gamat 3000-Erfolges avancierte er zu einem der meist gebuchtesten deutschen House-DJs, mit späteren Residencies im Münchner Flokati sowie dem Berliner Sternradio und Gigs von Russland bis Barcelona, Paris und London. Nicht zu vergessen die „Moon Harbour Label Flights“ in der Distillery, zu denen Gastgeber Matthias Tanzmann monatlich Renommees der internationalen House-Szene, wie Jackmate, Steve Bug, Jesper Dahlbäck und viele mehr, in seine Heimatstadt einlädt. Doch nicht nur die Musik steht für Matthias Tanzmann im Mittelpunkt – in Weimar studierte er an der Bauhaus-Universität Mediengestaltung. Eine kreative Erweiterung, die die Arbeit an Gamat 3000 (Daniel Scholz lebt in Berlin) allerdings erschwerte und das Profil Tanzmanns als Solo-Artist schärfte. Bis 2006 veröffentlichte er zahlreiche EPs, drei Mix-Compilations und remixte Tracks von Moby, Wighnomy Brothers, Marlow, Terry Lee Brown Jr. und Dapayk&Padberg. Die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern lag ihm dennoch stets am Herzen – Mit Steve Bug und Daniel Stefanik produzierte er gemeinsame EPs und ließ sich ebenfalls von neuen Sounds inspirieren. So entwickelten sich die Tanzmann-Tracks über die Jahre vom klassischen Deep House mit europäischer Note hin zu minimalerem House an der Schnittstelle zum ambitionierten Techno. Deepness, auch in noch so reduzierter Ästhetik, bleibt jedoch das wesentliche Element, das Matthias Tanzmann ausmacht.
